Der Christstollen

Ein in der Weihnachtszeit weit verbreitetes Gebäck ist der Stollen / die Stolle (ahd. stollo „Stütze“). Es handelt sich hierbei um ein sog. „Gebildbrot“ - ein Gebäck, das zu einer bestimmten Gestalt (Mensch, Tier etc.) geformt wird und zu besonderen Anlässen gereicht wird. Ein solches Gebildbrot ist z. B. auch der Hofgeismarer Stutewecken. Der mit weißem Puderzucker bestäubte Christstollen symbolisiert das in Windeln gewickelte Christuskind.

Die handwerkliche Tradition des Stollen-Backens wird 1329 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. In Naumburg (Saale) wurde ein noch sehr magerer Stollen als Weihnachtsgabe für den Bischof Heinrich hergestellt. Damals wurden die Stollen für das katholische Adventsfasten gebacken. Weil Butter und Milch nicht erlaubt waren, durfte der Teig nur aus Wasser, Hafer und Rüböl geknetet werden. Erst Papst Innozenz VIII. (1484 - 1492) erlaubte 1491 in seinem sog. „Butterbrief“ die Verwendung von Butter statt Öl. Bereits 1457 reicherte der Torgauer Hofkoch und -bäcker im Schloss Hartenstein, Heinrich Drasdow, seinen „Drasdower Stollen“ zusätzlich mit Trockenfrüchten an.

In Dresden wird der Christstollen erstmalig 1474 als „Christbrod“ auf einer Rechnung an den Dresdner Hof erwähnt. Dort war die Bezeichnung „Striezel“ üblich; der berühmte „Dresdner Striezelmarkt“ ist der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands.

Die Bezeichnung „Dresdner Stollen“ wurde von Bäckern in ganz Deutschland verwandt. Erst 1996 wurde der Name gesetzlich geschützt und beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen. Seitdem dürfen nur noch Stollen aus der Region Dresden diesen Namen tragen.

Stollen aus anderen Gegenden sind z. B. der „Erzgebirgische Stollen“, der „Bremer Klaben“, der „Münchner Kindl Stollen“, der „Kölner Stollen“ oder die Erfurter „Schnittchen“.

Heute gibt es neben dem klassischen Hefestollen zahlreiche Varianten wie Mandel-, Butter-, Marzipan-, Mohn-, Nuss- oder Quarkstollen.

(W.B.)