Nikolaus und Weihnachtsmann

Die Figur des Nikolaus geht zurück auf den Bischof Nikolaus von Myra († ca. 342), der in der katholischen und der orthodoxen Kirche (besonders in Russland) als Heiliger, u. a. als Schutzpatron der Kinder, verehrt wurde.

Bereits im Mittelalter wurden die Kinder an seinem Namenstag (6. Dezember) oder auch schon am Vorabend beschenkt. Als im Zuge der Reformation die Heiligenverehrung abgelehnt wurde, rückte der Bescherungstag auf den 24. bzw. 25. Dezember.

Begleitet wurde der „gute“ Nikolaus von seinem Helfer, der je nach Region Knecht Ruprecht, Krampus, Schmutzli (Schwarzwald) hieß, die Rolle des „Kinderschrecks“ übernahm und die „bösen“ Kinder bestrafte. Der niederländische Sinterklaas wurde begleitet von Zwarte Piet und kam mit dem Dampfschiff aus Spanien. In Nordeuropa gab es seit alters her eine vergleichbare Figur: einen bärtigen alten Mann, mit einem braunen Winterpelz bekleidet, der mit seinem Rentierschlitten aus Lappland anreiste und die Menschen mit Rute und Nüssen auf die lange Winterszeit vorbereitete. Die Rute galt als Fruchtbarkeitssymbol, die Nüsse als gehaltvolle und haltbare Nahrung. Der russische Geschenkebringer Ded Moròs (Väterchen Frost) ist dieser Figur entlehnt worden.

Im 19. Jahrhundert flossen die Figuren des Nikolaus und seines Helfers zum „Weihnachtsmann“ zusammen, der von M. von Schwind bereits 1847 in Deutschland und von T. Nast 1863 in den USA als weißbärtiger Mann mit pelzbesetztem rotem Mantel und Mütze mit einem Gabensack dargestellt wurde. Auch der Nikolaus in dem von Heinrich Hoffmann 1844 veröffentlichten „Struwwelpeter“ sieht dem heutigen Weihnachtsmann schon recht ähnlich.

Europäische Auswanderer brachten den Sankt-Nikolaus-Brauch mit in die Vereinigten Staaten, wo besonders in den niederländischen Kolonien das Sinterklaasfest gefeiert wurde. In der Literatur wird Sinter Klaas 1821 in dem Gedicht A visit from Sankt Nicholas von Clement C. Moore erwähnt. Nikolaus war auch der Patron von Neu Amsterdam, dem späteren New York. Aus Sinterklaas wurde Saint Claus und schließlich Santa Claus.

Der heute populäre Weihnachtsmann mit seinem von Rentieren gezogenen Schlitten geht zurück auf das 1823 anonym veröffentlichte Gedicht The Night before Christmas. In diesem Gedicht werden auch die Namen der Rentiere genannt: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen. Das Rentier Rudolph wird erstmals 1939 in einem Gedicht von Robert L. May erwähnt, das die Vorlage zu dem bekannten Weihnachtslied Rudolph the rednosed reindeer lieferte. 1931 zeichnete der Grafiker Haddon Sundblom den rot-weißen Weihnachtsmann für die Coca-Cola-Werbung.

W. B.