„Ein Leben aufs Neu“- Jüdische Displaced Persons auf deutschem Boden

Sonderausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar 13. Mai - 5. August 2012

Hofgeismar 1945/46: Die Stadt steht unter amerikanischer Militärverwaltung.
Viele Hofgeismarer Familien werden aus ihren Häusern ausquartiert. Die ost- und westeuropäischen Zwangsarbeiter, die in Betrieben, Haushalten und Höfen gearbeitet hatten, sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Heimatvertriebene Deutsche müssen untergebracht werden. In dieser Situation richten die Amerikaner mit der Hilfe der UNRRA, der Flüchtlingsorganisation der UNO ein Flüchtlingslager für Juden in der ehemaligen Wehrmachtskaserne und in beschlagnahmten Häusern ein. Es sind tausende sog. Displaced Persons, Menschen ohne Heimat und Bleibe, Juden, die im Holocaust ihre Familien und ihren Besitz verloren haben und ausgerechnet im Land der Verfolger und Mörder Zuflucht und Schutz finden. Das Lager besteht von 1945 bis 1949.

Die Wanderausstellung des Fritz-Bauer-Institutes „Ein Leben aufs Neu“ soll an dieses Kapitel Hofgeismarer Nachkriegsgeschichte erinnern. Die Bilder des Fotografen Robinson sind eine Innensicht auf das Leben in den DP-Camps. Mehr als Worte erzählen können, erzählen sie über die Menschen, die Entsetzliches erlitten und hinter sich gelassen haben, die aber, trotz der langen Wartezeit im Lager, erstaunlichen Lebensmut und Kraft entwickeln, um ein Leben aufs Neu zu wagen.
 
Bilder, Dokumente und Zeitzeugenberichte, die das Hofgeismarer DP-Camp betreffen, werden die Ausstellung ergänzen. Obwohl das Betreten des Camps offiziell für Hofgeismarer Bürger verboten war, gab es neben dem florierenden Schwarzmarkt persönliche Berührungspunkte zwischen Einheimischen und den Juden im Lager. Hofgeismarer Bürger arbeiteten für die Militärverwaltung, Betriebe belieferten das Lager, ein Beispiel erzählt sogar über die Freundschaft einer jüdischen Familie zu einer jungen Hofgeismaranerin, die sich täglich um das Kleinkind der Familie kümmerte.

Anzeigen im Ausland konnten schon verschiedene Kontakte zu ehemaligen Lagerinsassen herstellen. Unter der Website des Museums www.museum-hofgeismar.de findet man in englischer Sprache einen Hinweis auf die Ausstellung sowie einen Fragebogen, der an ehemalige Lagerbewohner und ihre Kinder gerichtet ist.
 
Welche Schicksale hinter den mehr als 2000 Namen des Lagers stehen, zeigt beispielhaft die erschütternde Überlebens-Geschichte Chaim Segals, der 1946 als 17-jähriger in das Hofgeismarer Lager kam.

In der 55. Ausgabe seiner Schriftenreihe „Die Geschichte unserer Heimat“ publiziert das Stadtmuseum Hofgeismar begleitend zur Ausstellung das Buch "Chaim heißt leben"  von Chaim Segal und Julia Drinnenberg als deutsche Erstausgabe.

 

Julia Drinnenberg

 

In englischer Sprache: Information und Fragebogen

Lesen Sie auch: Bericht über das Treffen der Displaced Persons / Report of the meeting

Fritz-Bauer-Institut

 

Presseausschnitte
HNA vom 03.12.2011

HNA vom 14.05.2012