Der Maler Theodor Rocholl als Zeuge großer Geschichte

Neue Ausstellung „Rocholl reist“ im Stadtmuseum Hofgeismar

Durch etwas ganz Besonderes ist der künstlerische Weg des Malers Theodor Rocholl (1854 – 1933) gekennzeichnet, dessen Werke das Stadtmuseum Hofgeismar seit 1977 schwerpunktmäßig sammelt. Rocholl hat nur bei seltenen Ausnahmen (Auftragsarbeiten, Weiterführung von Skizzen) in seinem Atelier gearbeitet, anders als die allermeisten seiner Kollegen.

Von Rocholl im Sattel gemalt: Die chinesische Mauer

Im Ersten Weltkrieg erlebte er die Kämpfe unmittelbar an der Westfront hautnah, wo er auch seine Studien und Skizzen anfertigen konnte; für seine späteren Reinhardswald- und Pferdebilder hat er die Freiluftmalerei unbedingt bevorzugt. Diese Einstellung kommt jedoch am ehesten dann zum Tragen, wenn Rocholl auf eigenen Entschluss mitten hinein reist in das Geschehen des türkisch-griechischen Krieges (1897 ff.) und die anderen Kriege auf dem Balkan (bis 1914). Viel stärker noch gilt diese Regel, wenn der Maler auf Befehl Kaiser Wilhelms II. 1900 mit den deutschen Truppen nach China fährt und dort selbst in Kämpfe gegen die „Boxer“ verwickelt wird.

Die Balkankriege und besonders die weltgeschichtlich wichtigen Ereignisse in China stehen unter dem Titel „Rocholl reist“ im Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar. Diese steckt den historischen Rahmen ab, konzentriert sich aber auf einen Maler, der sich selbst als Künstler neu zu definieren beginnt. Auf dem Balkan steht er – fast unkritisch – auf türkischer Seite, nach China dagegen reist er mit der verachtungsvollen blutrünstigen sog. „Hunnenrede“ des Kaisers im Ohr. Hier aber steht er einer Kultur gegenüber, deren Geschichte und Größe ihn überrascht und zum Umdenken zwingt. Er malt in völlig neuen, helleren Farben, porträtiert Freunde und Feinde in großer Zahl und begeistert sich an der alten Kultur, deren Zeugnisse er sammelt, um sie mit nach Hause zu nehmen.

Sehr viele seiner Erinnerungsstücke (ein Kaisermantel, Porzellan, Figürliches, fein gestickte, tellergroße Rangabzeichen chinesischer Mandarine usw.) sind jetzt in der Ausstellung zu sehen und erlauben es dem Besucher, sich selbst ein Bild des „alten China“ zu machen. Der dort gezeigte museumseigene Hausaltar hat in der Vergangenheit sogar schon den chinesischen Kulturattaché aus Berlin begeistert.

Schließlich gilt: Der von Dritten meist als „Schlachtenmaler“ klassifizierte Rocholl hat an beiden Schauplätzen – Balkan und China – nur sehr wenige echte Kriegsbilder gemalt; zum Museumsbestand gehört ein einziges.

Die Ausstellung „Rocholl reist“ beginnt ohne Einführungsveranstaltung am 2. August und endet am 1. November. Sie ist geöffnet zu allen normalen Öffnungszeiten, Gruppenbesuche nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber willkommen – vielleicht wartet bald wieder eine interessante Rocholl-Neuerwerbung. (ur)