Eine Nadel aus drei Heuhaufen

Das Stadtmuseum Hofgeismar erwirbt Erinnerung an Werner Rabe von Pappenheim

 

Einen ungewöhnlichen Gegenstand, der einen wichtigen Wendepunkt im Leben eines Menschen bezeichnet, hat das Stadtmuseum Hofgeismar auf einer Historica-Auktion in München erworben. Dass dieses Ereignis zugleich in der deutschen Geschichte einen Platz hat, liegt an der Person, um die es dabei geht, liegt an Werner Rabe von Pappenheim aus Liebenau.

Dieser Pappenheim, 1877 in Liebenau geboren und 1896 in Warburg mit dem Abitur von der Schule abgegangen, wählte für sich den Offiziersberuf.
Er trat in Berlin in das 2. Garderegiment zu Fuß ein und stieg allmählich vom Unteroffizier zum Hauptmann auf. Bei Beginn des sog. „Boxeraufstands“ meldete sich Leutnant von Pappenheim freiwillig nach China und übernahm dort verschiedene Kommandos, wo er u. a. auch den Maler Theodor Rocholl und den Trendelburger Leutnant Hans Adalbert von Stockhausen traf.
Nach zweieinhalb Jahren kehrte Pappenheim wieder nach Berlin in sein Stammregiment zurück, hatte sich aber deutlich für Ostasien begeistern können. 1907 wurden die Studienergebnisse des Offiziers in Japanisch mit „vorzüglich“ bewertet.

Als 1910 das deutsche Kaiserreich einen neuen Militärattaché an den Hof des „Tenno“ (Kaiser) in Japan abordnet, fällt die Wahl auf Pappenheim. Zum Abschied aus seinem alten Regiment erhält er die jetzt wieder aufgetauchte Denkmalminiatur der sitzenden „Borussia“ mit ihrer mehrzeiligen Widmungsgravur für Pappenheim, der an diesem Wendepunkt von einem Offizier zu einem Geschäftsträger des Kaiserreichs geworden ist.

Pappenheim geht mit seiner Frau für zwei Jahre nach Japan und wird dann nach Peking versetzt, wo er den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebt und mitverantwortlich wird für die deutsche Kolonie Kiautschou (mit Tsingtau). Endgültig rückt Pappenheim in das Licht der damaligen Weltöffentlichkeit als Gegenstand phantastischer Berichte und Erzählungen, als er den Auftrag erhält, die Hauptversorgungslinie der „Feinde“, die Transsibirische Eisenbahn, an einer empfindlichen Stelle zu sprengen. Seine „geheime Mission“ des Winters 1914/15 bleibt jedoch nicht geheim, Pappenheim und seine Begleiter werden in russischem Auftrag von Mongolen in eine Falle gelockt und ermordet (was allerdings jahrelang im Dunkel blieb).

Der Hofgeismarer Museumsleiter Helmut Burmeister hat anlässlich der China-Ausstellung 2000 für den Begleitband eine packende Biografie Pappenheims verfasst, der auch diese Angaben entnommen sind (Burmeister/Jäger: China 1900. Der Boxeraufstand, der Maler Theodor Rocholl und das alte China. Hofgeismar 2000).
Jetzt kann das neue Objekt der Museumssammlung, das auch der Liebenauer Familie unbekannt war, jenen Augenblick bestätigen, an dem persönliche Geschichte zur Geschichte eines Landes wird.
Das 28 cm hohe historische Objekt wieder gefunden und erfolgreich ersteigert zu haben, ist für das Museum „wie eine Nadel aus mindestens drei Heuhaufen“.

In der Ausstellung „Kaisermantel und Guanyin. Begegnung mit dem ,alten China'“ (ab 19. Juli 2008) wird das neue Objekt zu sehen sein.

(ur)

 Borussia

 
Denkmalminiatur der sitzenden „Borussia“,
Höhe 28 cm.
 

 

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