Schöne Medaillen - fesselnde Geschichte 

Stadtmuseum legt neue Publikation vor

Eine Neuerscheinung, die keineswegs  nur für die Experten und Sammler gedacht ist, legte das Stadtmuseum Hofgeismar zu seiner 30-Jahrfeier vor.

Das Thema - „Friedrich I. König von Schweden, Landgraf von Hessen-Kassel“ - war 2003  mit einer großen Sonderausstellung und einem umfangreichen Begleitband erstmals aufgegriffen worden. Jetzt werden erstmals - inhaltlich auf dem neuesten Stand und gestützt auf reiche Literatur - alle schwedischen und hessischen Medaillen vorgestellt, die das Portrait des Fürsten tragen.

In 28 Kapiteln, von der ersten Heirat 1700 bis zu den Erinnerungsprägungen unserer Zeit, werden die Lebensspuren Friedrichs nachgezeichnet. Neben der durch Fotos gestützten Vorstellung der insgesamt 80 Medaillen werden die Ausgabeanlässe historisch beleuchtet.

Verfasser des 96-Seiten-Bandes ist Museumsleiter Helmut Burmeister, der den schwedischen König (ab 1720) und hessischen Landgrafen (ab 1730) als wissenschaftliches Thema für sich entdeckt hat.

„Über keinen anderen Fürsten existieren in seinen beiden Ländern mehr Vorurteile als bei Friedrich“, ist Burmeister überzeugt. Es sind Vorurteile, die aus einer Fehldeutung seiner politischen Rolle als einziger an eine Verfassung gebundener Monarch seiner Zeit,  aber auch aus der Existenz seiner Nebenfrau Hedwig Gräfin Hessenstein gespeist werden.

Allerdings scheint auch in Schweden wenn nicht eine völlige Umbesinnung, so doch eine Neubesinnung im Gang zu sein. So wurde jüngst Friedrichs Stellung als Retter Stockholms vor den russischen Terrorangriffen des Jahres 1719, als kultureller Vermittler zwischen Kassel und Stockholm und als Sicherer der Grundlagen des Nationalmuseums hervorgehoben.

Der neue Band 47 der Museumsreihe „ Die Geschichte unserer Heimat“, der zugleich als Band 48 des großen Geschichtsvereins VHG e.V. erscheint (ISBN 3-925333-48-7), kommt zweisprachig daher.

Die in Schweden geborene Kasseler Lehrerin Margareta Köller hat den Text in ihre schwedische Muttersprache übersetzt.

Aufgrund eines Missverständnisses wurde ein falsches Titelbild gewählt. Es zeigt Georg I. von Hannover - England nach Krone, Kleidung, Orden, aber er sieht diesem überhaupt nicht ähnlich. Das Gesicht ist das Antlitz Friedrichs.

Der reich illustrierte Band ist in den Buchhandlungen der Region, in der Universitätsbibliothek Kassel und natürlich in Hofgeismar im Stadtmuseum und bei der Tourist-Info erhältlich.

HNA vom 19.11.2007

 

Rezension zu „Die Medaillen auf Friedrich I. König von Schweden, Landgraf von Hessen-Kassel“

[Die Verfasserin geht zunächst ein auf die bislang unterschätzte Bedeutung Friedrichs I. als eines konstitutionellen Monarchen für das Schweden der frihetstid. Obwohl Friedrich kein absoluter Herrscher mehr war, war sein Einfluss vielfältig und die Zusammenarbeit mit den Ständen fruchtbar.]

„Wie fruchtbar, dazu hatte das Stadtmuseum Hofgeismar bereits 2003 eine Ausstellung organisiert, zu der ein ausführlicher Katalog erschien. In der nun publizierten Broschüre wird dazu eine Ergänzung geboten, ein Gesamtverzeichnis der Medaillen, die zu Ehren des Herrschers herausgegeben wurden.
Es handelt sich bei diesem Katalog nicht um einen Katalog im herkömmlichen Sinne. Der Autor, Helmut Burmeister, will vielmehr eine Zusammenschau von Bild, Beschreibung und historischem Hintergrund bieten, in der er zahlreiche immer wieder abgeschriebene Irrtümer korrigiert. Er baut deshalb seinen Katalog nach Anlässen auf, numeriert die Anlässe und gibt den verschiedenen Medaillen, die dazu geprägt wurden, a), b) und c) Nummern. Dann behandelt er in einem Fließtext die Stücke, wobei man dank der luziden Numerierung die einzelnen Kommentare auch dann schnell findet, wenn die Zeit es nicht zulässt, alles zu lesen. Für den Sammler ist diese Form der Darstellung mit Sicherheit spannender zu lesen als ein herkömmlicher Katalog, vor allem weil der Autor Wert darauf legt, Inschriften zu übersetzen oder wenigstens ihren Inhalt anzugeben, literarische Anspielungen zu deuten und Bilder, Symbole und Allegorien zu erklären. Es ist also jede Menge zusätzliche Information vorhanden, die einem die Bandbreite des Medaillenschaffens im 18. Jahrhundert verdeutlicht.
So ist dieser Katalog für den Schweden- und Hessen-Sammler eine echte Bereicherung, was einen bei einem geradezu unerheblich zu nennenden Preis nicht zögern lassen sollte, sich das Opusculum zu kaufen.
Wer übrigens sein Schwedisch üben möchte, der kann dies tun, denn der Autor wollte die beiden Nationen seines Protagonisten zu gleichen Teilen in ihr Recht setzen: Aus diesem Grund wurde der gesamte Text in beiden Sprachen publiziert. Wollen wir hoffen, dass das kleine Werk über ,Die Medaillen auf Friedrich I.’ den Leserkreis findet, den es verdient, sei es in Deutschland, sei es in Schweden.“

Dr. Ursula Kampmann in MünzenRevue 1/2008, S. 98