Das künstlerische Werk des Johannes Eichler

Der geschlossene Kreis

 

Der selbstgewählte katholische Glaube als Sich-Finden im Inneren und ein Sich-Mitteilen durch die Kunst sind in Eichlers Selbstverständnis untrennbar verknüpft. Dass er selbst zu diesem Einklang gefunden hat, ist nach seinem Zeugnis der Ruhe zu danken, die ihn nach seinem Umzug in seine neue Heimat Hofgeismar immer bestimmt hat.

Der Weg von der Sinn-Suche zur Sinn-Findung ist für den Künstler Eichler immer kürzer geworden; seine letzten Bilder verdeutlichen durch ihre Symbolik und die Wärme ihrer Gestaltung die Zeit der Reife, belegen ein Handeln des Künstlers aus der Überzeugung, am Ziel zu sein. Dass er ganz selbstverständlich betet, bevor er ein Werk beginnt, glaubt man ihm ebenso wie das spontane Brotgeschenk aus gläubiger Mitmenschlichkeit an todgeweihte griechische Juden auf jenem trostlosen Bahnhof irgendwo.

Wer die zahlreichen Rezensionen seiner Bilder und Ausstellungen in der Tagespresse liest, wird schnell gewisse stereotyp klingende Wendungen aus Eichlers Mund immer wieder zitiert finden, die sich vor allem auf seine Begriffsunterscheidung zwischen Sehen und Schauen beziehen. Schauen ist für ihn der geistig-religiöse Integrationsprozess, welcher die äußere Wirklichkeit des Gesehenen in eine innere Wahrheit des Gewussten verwandelt, die sich ihrer Komplexität wegen wiederum nur mit Hilfe von Symbolen vermitteln lässt.

Eichler ist in seinem künstlerischen Leben immer den Weg vom Sehen zum Schauen gegangen; das Nebeneinander der verschiedenen Darstellungstechniken bei Arbeiten z. B. über das zerstörte Dresden verdeutlichen das Gemeinte ebenso wie seine meisterhaften frühen Objektzeichnungen im Vergleich zu seinen späten symbolhaften Werken.

         
Dresden nach dem Angriff,
Pastell 1974
 
 Eine kleine Sonne, Pastell 1975
 
 Ein Tropfen im Meer, Pastell 1979

Eichlers christlicher Glaube erlaubt es ihm, in allen Teilen einer uns umgebenden und einschließenden Schöpfung einen tieferen Sinn, einen Hinweis auf einen letztlich unzerstörbaren Lebenszusammenhang - der romantischen Vorstellung von der unio mystica nicht unähnlich - als gegeben anzunehmen, auf den hinzuweisen vornehmste Aufgabe jeden Künstlers ist. Eichler fordert den modernen Betrachter nicht dazu auf, in seine Werke etwas Individuelles, Einmaliges hineinzulegen, sondern er hat vielmehr den Mut, uns zu ermahnen, uns Vorgegebenes, gelegentlich nur Angedeutetes wiederzuerkennen, gedanklich zu verarbeiten, schließlich als dauerhaft gültigen Lebensgewinn zu entnehmen. Eichler hat der Ungebundenheit einer einseitigen Fortschrittsauffassung der modernen Kunst das Bekenntnis zur Einschränkung, zur Begrenzung entgegengesetzt. Er hat die Vergesslichkeit des Menschen mit der verpflichtenden Erinnerung an das Göttliche konfrontiert und so vor der unendlich geglaubten Freiheit als ebenso vollständiger Gefährdung alles Verbindenden gewarnt.

 

Helmut Burmeister