Zunft- und Wirtschaftsgeschichte

Zwei bedeutende Zünfte

 

Die Bäckerzunft gehört in Hofgeismar zu den »alten« Zünften, das heißt sie hat ihren Ursprung eindeutig im Mittelalter. Bemerkenswert ist gerade in ihrem Fall, daß man mit Hilfe der überlieferten Zunftlisten alle zünftigen Bäckermeister Hofgeismars von 1599 bis 1908 nachweisen kann. Einen schwachen Eindruck von der relativen Wohlhabenheit ihrer Mitglieder geben die weiteren Exponate, unter denen insbesondere das Zunftglas (1770) natürlich auffällig ist. Das »Zunftzinn« hat eine besondere Bedeutung, da bis zum Verbot dieses Brauchs durch die Landesregierung jedes neue Mitglied bei seinem Eintritt in die Zunft ein neues Stück einbringen mußte.

Die Schmiedezunft war im wesentlichen am Bedarf einer Ackerbürgerstadt orientiert. Auffällig ist allerdings ein - bezogen auf das gesamte Land - recht hoher Anteil von Waffen- und Kupferschmieden.

Die Zunfttruhen oder -laden hatten neben ihrer praktischen Funktion auch eine rituelle Bedeutung. »Bei geöffneter Lade« war ein besonderer Moment. In der Zunftlade wurden die Schriftstücke und das Geld der Zunft verwahrt. Zur Sicherheit dieses Vermögens hatten viele Zunfttruhen zwei Schlösser, deren Schlüssel sich in zwei getrennten Händen befanden. Die ausgestellte Zunfttruhe der Löber (Lohgerber), Weißgerber und Schuhmacher aus der Zeit um 1580 besitzt drei Schlösser, deren Schlüssel auf die drei Teilzünfte aufgeteilt waren. Die Truhe konnte so nur durch alle drei Zunftmeister gleichzeitig geöffnet werden.

Ein besonders bedeutsames Stück befand sich in Hessen schon lange nicht mehr in der Zunfttruhe: das Zunftsiegel. Die Landesherrschaft hatte den Zünften nicht nur einen staatlichen Deputierten zur Seite gestellt, sondern auch das Recht, in eigenem Namen Briefe zu schreiben und zu siegeln, entzogen. Das Siegel wurde beim jeweiligen Oberzunftamt, einer staatlichen Behörde, verwahrt.
 

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